| Waltenhofen (mr).
Zum 150-jährigen Gründungsfest ihrer Musikkapelle wollten die
Waltenhofener nichts, aber auch schon gar nichts dem Zufall
überlassen. So machten acht Mitglieder des Musikvereins vor acht
Wochen eine kleine Wallfahrt zur Loretto-Kapelle nach Immenstadt-Bühl.
Inständig beteten sie um gutes Wetter für den gestrigen Umzugstag.
Und siehe da, die dunkle Wolkendecke zerriss, während sich der
Gesamtchor auf dem Sportplatz versammelte. Und beim Umzug selber von
der Rohrer-Straße zur Mehrzweckhalle zurück nahm das Wetter
geradezu „kaiserliche Ausmaße" an. Begeistert klatschten gut
5000 Menschen Beifall, als 35 Musikkapellen, zehn Festwagen und 20
Fußgruppen durchs Dorf zogen.
Vielleicht hatten sich Kathrin (21, Posaune), Manuela (19,
Trompete) und Daniela (23, Hörn) - allesamt von der Musikkapelle
Lenzfried - doch getäuscht. Felsenfest waren die jungen Damen der
Auffassung, ihr solider Lebensstil hätte Petrus nach den „Kübelein"
am Vormittag noch zum Einlenken bewogen. Wie dem auch sei, die
Lenzfrieder Kapelle mit ihrem fast jugendlichen Dirigenten Kristof
Büsing zählte zu den vielen Glanzlichtern des Umzugs,
immerhin ist fast jedes zweite Kapellenmitglied weiblich.
Übrigens hat auch die 50-jährige Marianne aus Sulzberg um ein
gutes Wetter gebetet. Ihr Mann Gerhard spielte früher in der
Waltenhofener Blasmusik, mittlerweile hat er sich der dortigen
Alphornbläsergruppe angeschlossen. Marianne und ein älteres
Ehepaar aus Kempten schlagen in die gleiche Kerbe: So ein Umzug mit
vielen guten Kapellen, zünftigen Märschen und zusätzlich schönen
Trachten mache einfach Spaß und stärke das Heimatgefühl, hieß es
übereinstimmend. Und die Musik sei „tausendmal schöner" als
dieses „Geschrei" beim Grand Prix. |
Mit
Feuereifer bei der Sache
Auch Christa (53) fiebert auf dem Gehsteig mit, da ihre Kinder in
den örtlichen Vereinen mit Feuereifer bei der Sache sind. Der
18-jährige Tobias mit Tenorhorn unterm Arm freut sich nach dem
Umzug, dass „hier gute Stimmung angesagt ist und man Leute treffen
kann", die man sonst nicht kennen lernen würde. Für das junge
Geschwisterpaar Silvia und Rainer Bosch im Festbüro geht die Arbeit
erst richtig los. Denn wer mit der (raschen) Essens-Versorgung
vieler Leute zu tun hat, muss bis zum Schluss weiter schuften.
Der Festsonntag begann mit einem Gottesdienst mit Prodekan Roland
Buchenberg. Für den Geistlichen gehören Singen und Musizieren zum
„Menschsein und Christ sein". Die Musik könne die Seele in
göttliche Dimensionen erheben. Zumindest eindrucksvolle Dimensionen
erreichten die bekannten Melodien, die rund 1200 Musiker im
Gesamtchor intonierten: „Mit Energie und Kraft" (Dirigent
war Bezirksleiter Hermann
Koch), „Hymne an die Freundschaft" (Wolfgang Bock,
Waltenhofen), „Allgäuer Heimatmarsch" (Lothar Geist,
Waltenhofen) sowie die Bayernhymne (Bezirksdirigent Max Geist).
Für Schirmherr Dr. Gerd Müller ist das Bezirksmusikfest jedes
Jahr ein Glanzpunkt der Brauchtumspflege, ASM-Vizepräsidentin Centa
Theobald sah die „besondere Note" solcher Anlässe, zumal
auch der ASM mit seinen 80 Jahren auf dem Buckel allen Grund zum
Feiern habe. Bürgermeister Eckhard Harscher und Bezirksleiter Koch
betonten, dass man stolz auf die Leistungen und Kameradschaftspflege
der Kapellen sein könne. Für die Waltenhofener Blasmusik sei diese
Freundschaftspflege ein großer Gewinn - Nicht nur, weil die
Kapellen aus Memhölz, Niedersonth-ofen, Sankt Mang, Martinszell und
Mechters-heim den ganzen Tag die in Arbeit verwickelte
Jubiläumskapelle entlasteten. Ausführlicher
Bericht vom Festabend folgt. |