Bericht Bezirksmusikfest 22.05.2006
Nicht einmal das Wetter dem Zufall überlassen

Waltenhofener Musiker pilgerten vor 35. Bezirksmusikfest zur Loretto Kapelle - Über 5000 Menschen sehen Festumzug

Waltenhofen (mr).

Zum 150-jährigen Gründungsfest ihrer Musikkapelle wollten die Waltenhofener nichts, aber auch schon gar nichts dem Zufall überlassen. So machten acht Mitglieder des Musikvereins vor acht Wochen eine kleine Wallfahrt zur Loretto-Kapelle nach Immenstadt-Bühl. Inständig beteten sie um gutes Wetter für den gestrigen Umzugstag. Und siehe da, die dunkle Wolkendecke zerriss, während sich der Gesamtchor auf dem Sportplatz versammelte. Und beim Umzug selber von der Rohrer-Straße zur Mehrzweckhalle zurück nahm das Wetter geradezu „kaiserliche Ausmaße" an. Begeistert klatschten gut 5000 Menschen Beifall, als 35 Musikkapellen, zehn Festwagen und 20 Fußgruppen durchs Dorf zogen.

Vielleicht hatten sich Kathrin (21, Posaune), Manuela (19, Trompete) und Daniela (23, Hörn) - allesamt von der Musikkapelle Lenzfried - doch getäuscht. Felsenfest waren die jungen Damen der Auffassung, ihr solider Lebensstil hätte Petrus nach den „Kübelein" am Vormittag noch zum Einlenken bewogen. Wie dem auch sei, die Lenzfrieder Kapelle mit ihrem fast jugendlichen Dirigenten Kristof Büsing zählte zu den vielen Glanzlichtern des Umzugs, immerhin ist fast jedes zweite Kapellenmitglied weiblich.

Übrigens hat auch die 50-jährige Marianne aus Sulzberg um ein gutes Wetter gebetet. Ihr Mann Gerhard spielte früher in der Waltenhofener Blasmusik, mittlerweile hat er sich der dortigen Alphornbläsergruppe angeschlossen. Marianne und ein älteres Ehepaar aus Kempten schlagen in die gleiche Kerbe: So ein Umzug mit vielen guten Kapellen, zünftigen Märschen und zusätzlich schönen Trachten mache einfach Spaß und stärke das Heimatgefühl, hieß es übereinstimmend. Und die Musik sei „tausendmal schöner" als dieses „Geschrei" beim Grand Prix.

Mit Feuereifer bei der Sache

Auch Christa (53) fiebert auf dem Gehsteig mit, da ihre Kinder in den örtlichen Vereinen mit Feuereifer bei der Sache sind. Der 18-jährige Tobias mit Tenorhorn unterm Arm freut sich nach dem Umzug, dass „hier gute Stimmung angesagt ist und man Leute treffen kann", die man sonst nicht kennen lernen würde. Für das junge Geschwisterpaar Silvia und Rainer Bosch im Festbüro geht die Arbeit erst richtig los. Denn wer mit der (raschen) Essens-Versorgung vieler Leute zu tun hat, muss bis zum Schluss weiter schuften.

Der Festsonntag begann mit einem Gottesdienst mit Prodekan Roland Buchenberg. Für den Geistlichen gehören Singen und Musizieren zum „Menschsein und Christ sein". Die Musik könne die Seele in göttliche Dimensionen erheben. Zumindest eindrucksvolle Dimensionen erreichten die bekannten Melodien, die rund 1200 Musiker im Gesamtchor intonierten: „Mit Energie und Kraft" (Dirigent war Bezirksleiter Hermann Koch), „Hymne an die Freundschaft" (Wolfgang Bock, Waltenhofen), „Allgäuer Heimatmarsch" (Lothar Geist, Waltenhofen) sowie die Bayernhymne (Bezirksdirigent Max Geist).

Für Schirmherr Dr. Gerd Müller ist das Bezirksmusikfest jedes Jahr ein Glanzpunkt der Brauchtumspflege, ASM-Vizepräsidentin Centa Theobald sah die „besondere Note" solcher Anlässe, zumal auch der ASM mit seinen 80 Jahren auf dem Buckel allen Grund zum Feiern habe. Bürgermeister Eckhard Harscher und Bezirksleiter Koch betonten, dass man stolz auf die Leistungen und Kameradschaftspflege der Kapellen sein könne. Für die Waltenhofener Blasmusik sei diese Freundschaftspflege ein großer Gewinn - Nicht nur, weil die Kapellen aus Memhölz, Niedersonth-ofen, Sankt Mang, Martinszell und Mechters-heim den ganzen Tag die in Arbeit verwickelte Jubiläumskapelle entlasteten. Ausführlicher Bericht vom Festabend folgt.

Bericht Allgäuer Zeitung 22.05.2006

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