Bericht Bezirksmusikfest 24.05.2006
Eine Leuchtfackel des Brauchtums

Waltenhofener Musikkapelle feiert im Rahmen des Bezirksmusikfestes 150-jähriges Bestehen

Waltenhofen (mr).

„150 Jahre alt ist nun die Musikkapelle Waltenhofen, und dennoch wird sie ständig frischer, lebendiger und auch charmanter", sagte Staatssekretär Dr. Gerd Müller. Das Publikum in der Mehrzweckhalle schmunzelte schon, als sich der Jubiläums-Schirmherr den 37 Musikern auf der Bühne zuwandte undden Wandel skizzierte: „Bis 1969 habe ich bei eurem Rückblick keine Dame auf einem Foto gesehen, mittlerweile traut sich schon kein Mannsbild mehr zu den vielen Flötistinnen und Klarinettenspielerinnen in die vordere Reihe." Bezirksleiter Hermann Koch ließ noch weitere „Waltenhofener Spezialitäten" anklingen. 

ASM-Präsident Franz Pschierer (rechts) gratulierte dem Waltenhofener Musikvereins-Chef Josef Graf und überreichte ein Geschenk.

 Beispielsweise teilen sich Wolfgang Bock und Lothar Geist seit 2002 die Dirigentenarbeit - und das offenbar ganz harmonisch und ohne jede Eifersüchtelei, denn beide könnten sich aus beruflichen Gründen gar keinen „Alleingang" leisten.

Koch gerät ins Schwärmen, wenn er über die „hervorragende Waltenhofener Jugendarbeit" redet. Oder wenn er die Bereitschaft hervorhebt, sich neben dem eigenen Jubiläum noch das 35. Bezirksmusikfest „aufbürden" zu lassen. Da habe man ja im Vorjahr mit dem innergemeindlichen Nachbarn Memhölz schon gute Erfahrungen gemacht. Und das Allerschönste ist für Koch die Tatsache, dass Waltenhofen zu den Mitbegründern des Allgäu-Schwäbischen Musikbunds (ASM) gehört, der heuer stolz auf 80 Jahre zurückblicken und bundesweit eine „einmalige Erfolgsstory" vorweisen könne. „Als eine der ersten Musikkapellen traten die Waltenhofener 1926 dem ASM-Vorläufer 'Allgäuer Musikbund' bei und richteten im selben Jahr das erste Verbandsfest aus", betonte Koch.

Laut Landrat Gebhard Kaiser hat die „Bandbreite des musikalischen Könnens" auch was mit „Kommunalpolitikern wie Fritz, Wegscheider, Grätz und Harscher zu tun: Für sie alle, so Kaiser, „waren und sind die Musikkapellen Leuchtfackeln der Brauchtumspflege, die es zu fördern galt und gilt." Und Bürgermeister Eckhard Harscher bestätigte diese Worte: „Die Musikkapellen liegen mir am Herzen, sie werden trotz enger Haushalte immer meine Unterstützung haben."

Viele fleißige Heinzelmännchen

Harscher und Musikvereinschef Josef Graf dankten den vielen „Heinzelmännchen" der Blasmusik, die zum Gelingen des Jubiläums weit über 1000 Gratis-Arbeitsstunden einbringen würden. Mindestens 1000 Stunden ganz alleine hat Xaver Wegscheider (74) im neu gestalteten Musikheim gearbeitet, wie mehrere Redner unter starkem Beifall hervorhoben. Solche Leute mit Gemeinsinn gab es in der 150-jährigen Vereinsgeschichte Zuhauf, wie zweiter Musikvereins-Vorsitzender Christoph Besler bei seinem Rückblick bilanzierte: Angefangen beim Musikkapellen-Gründer, dem Lehrer Wilhelm Brehm. Weiter über Hans Hofmann, der 1968 nach 37 Jahren den Dirigentenstab abgab. Bis hin zum 2004 verstorbenen, unvergesslichen Fritz Neß, der vier Jahre zuvor seine 52-jährige Musikkapellen-Karriere als Bassist, Vorstand, Dirigent und Ausbilder beendet hatte.

Da blieb Pschierer fast nichts mehr anderes übrig, als sich vor den „großen Leistungen der Jubiläumskapelle" zu verneigen. Schließlich intonierte die Musikkapelle den Evergreen „What a wonderful World" - und verströmte damit die Stimmung dieser „Waltenhofener Festtage".

Erfolgreich bei Wertungsspielen

Höchste Prädikate errungen

Waltenhofen (we).

Elf Musik- und zehn Jugendkapellen stellten sich an zwei Tagen bei den Wertungsspielen im Rahmen des Bezirksmusikfests der Jury. Dabei wurde in allen Wertungen ein hohes Niveau jeder einzelnen Kapellen erzielt. Bei der Urkundenverleihung war es daher nicht verwunderlich, dass nur die beiden höchsten Prädikate verliehen wurden: Neun mal das Prädikat „mit ausgezeichnetem Erfolg" und zwölf mal das Prädikat „mit sehr gutem Erfolg". Die höchste Punktzahl erzielte die Stadtkapelle Kempten in der Höchststufe sowie die Musikkapelle Heiligkreuz in der Oberstufe mit je 94 Punkten.

Die Musikkapelle Waltenhofen, hier dirigiert Wolfgang Böck, sorgte für den klingenden Rahmen des Festaktes.   Fotos: Mayr

Die Ergebnisse im einzelnen:

Höchststufe: Stadtkapelle Kempten (aus-gez. Erfolg); Oberstufe: JK Allgäuer Tor (sehr gutem Erfolg) MK Betzigau (ausgez. Erfolg); MK Dietmannsried (sehr gutem Erfolg); MK Heiligkreuz (ausgez. Erfolg); MK Lenzfried (sehr gutem Erfolg); MK Probstried (ausgez. Erfolg); MK Wildpoldsried (sehr gutem Erfolg); Mittelstufe: JK Heiligkreuz (sehr gutem Erfolg); Jungenblasorch. Sing- & Musikschu-

le Kempten (ausgez. Erfolg); JK Lenzfried (sehr gutem Erfolg); MK Martinszell (sehr gutem Erfolg); MK Memhölz (ausgez. Erfolg); MK Niedersonthofen (sehr gutem Erfolg); MK Schrattenbach (ausgez. Erfolg); Unterstufe: JK Betzigau (sehr gutem Erfolg); JK Iller-winkel (ausgez. Erfolg); JK Niedersonthofe-ner See (sehr gutem Erfolg); JK Rottachsee (sehr gutem Erfolg); JK Wildpoldsried (ausgez. Erfolg); Grundstufe: JK Sankt Mang (sehr gutem Erfolg)

Bericht Allgäuer Zeitung 24.05.2006

Pressespiegel