Musikverein Waltenhofen hochverdient um das Kulturleben der ganzen Gemeinde

Festabend zum 125jährigen Bestehen - Galakonzert zeugt von bemerkenswertem Leistungsstand

WALTENHOFEN (ma). "Dieser Verein ist das Schmuckstück einer Gemeinde, die sich mit Seele und Geist der Musik verbunden fühlt und sie stets nach Kräften unterstützt hat." Diese Worte des Präsidenten des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, Karl Kling, ehrten den Musikverein Waltenhofen am Abend seines 125. Geburtstages und stellten der musikfreudigen Gemeinde Waltenhofen, die heute in ihrem Großbereich vier Musikkapellen hat, ein rühmliches Zeugnis aus.

Welchen Stellenwert heute die Musikkapelle Waltenhofen unter ihrem Dirigenten Josef Prestel errungen hat und zu welchen Leistungen sie befähigt ist, das zeigte sie im überfüllten "Adler"-Saal mit einem Galakonzert, das mit einem Fanfarenmarsch begann und mit der Bayernhymne endete. Der langjährige Vorsitzende, zugleich vorzüglicher Ausbilder und Dirigent der Jugend, Fritz Ness, hatte nach den ersten Takten zahlreiche Gäste begrüßt. Den wechselvolle Weg der Musikkapelle schilderte Schriftführer Franz Rauch.

In der Chrornk tauchten immer wieder die Namen von Männern auf, die sich mit einer kleinen Schar begeisterter Musiker nie unterkriegen ließen, deren Idealismus nie erlahmte und die die Kapelle stets zu hohen Leistungen e anspornten. Das kennzeichnete die Kapelle seit dem Jahre 1856, als sie von Lehrer Wilhelm Brehm gegründet wurde, der dann in Bürgermeister Jakob Rauch seinen Nachfolger fand. Der Klangkörper überzeugte bei großen Musikfesten im Ort -so 1926 beim ersten Musikfest des ASM im Allgäu -, aber auch in vielen anderen Gemeinden.

Die Anschaffung einer landschaftsverbundenen Tracht -sie wurde zum Geburtstag erneuert -, der Brauch des Neujahrsblasens, die Ausbildung der Jungbläser, das waren Marksteine in der Entwicklung der Kapelle, die heute 53 aktive Musiker zählt.

 "In dieser Musikkapelle herrscht an Haupt und Gliedern beste Harmonie, und kein Verein in den Altgrenzen von Waltenhofen hat sich kulturell so verdient gemacht", sagte Bürgermeister Karl Fritz voller Stolz zu den Musiern. Der Wert für die Belebung Waltenhofens, für die Erhaltung des Brauchtums im Kampf gegen Entfremdung und Musikkonserven, der Dienst an der Gemeinschaft könne nicht hoch genug eingeschätzt werden, fügte er hinzu. Selbst im Ausland, so in der Bretagne, hätten sich die Herzen der Menschen den Allgäuer Musikern gegenüber geöffnet.

Der Bürgermeister überreichte dem Verein einen Scheck und schloß seine Laudatio mit dem Nietzsche-Wort: "Ohne Musik ist das Leben ein Irrtum", an das Präsident Karl Kling anknüpfte, der die Grüße von 500 Kapellen Schwabens überbrachte.

Sechs Mitglieder wurden für ihre Treue über 25 und 40 Jahre geehrt, Adalbert Henninger für 50jährige Zugehörigkeit zum Ehrenmitglied ernannt.

 Dann aber hatte die Kapelle selbst das klingende Wort, mit dem sie ihren hohen Leistungsstand bewies. Dirigent Prestel hatte ein ausgezeichnetes Programm zusammengestellt. Was die Blasmusiker auch spielten, sei es die "Cantata Jubilata" von Hartwig, die "Schöne Galathe" von Suppé, die Fantasie aus Zellers "Vogelhändler", in jeder Darbietung zeigte sich vollendete Disziplin beim Einsatz, eigene Klangfülle, Präzision, mitreißender Schwung und wohltuende Harmonie. Alles in allem ein glanzvolles Konzert, mit viel Beifall bedacht. Daß auch der tüchtigen Jugend für ein kleines Eigenkonzert gegeben wurde, ehrt den Musikverein Waltenhofen besonders.

Zu den Gästen des Festabends zählten u. a. auch Bundesdirigent Kuen, der Leiter des ASM-Bezirks1, Wehrmeister, sowie viele Kapellen aus der Nachbarschaft und aus der Schweiz.

(Bericht: Allgäuer Zeitung, 06.05.1981)

 

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